St. Martin 2014

Dieses Jahr war St. Martin als „Herbstfest“ getarnt. Man traf sich im Klassenzimmer zum Sternebasteln und Kuchen essen. Die Kinder sangen Lieder und präsentierten Gedichte zum Thema „Wind“. Hei hei hussasa, der Herbst ist da! Und zwar in allen Schulfächern. Epochaler oder globaler Unterricht nennt sich das. Nicht nur in Deutsch und Musik wird Wind gemacht. Auch in HUS. Das ist so was ähnliches wie früher Sachkunde. Wofür die Abkürzung genau steht, kann ich leider nicht sagen: Hämolytisch-urämisches Syndrom, Hauswirtschaft und Sozialwesen oder vielleicht doch Heimat- und Sachkunde. Sehe auf den ersten Blick auch keine Unterschied zum Fach MENUK, das auch immer mal wieder auf den Stundenplänen steht: Mensch, Energie und Kultur, oder Mensch und Kunst oder wie auch immer. Ein Leitthema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu entdecken finde ich eigentlich eine gute Sache. Wenn man bedenkt, dass die Kinder in der Grundschule in vielen Fächern von derselben Lehrkraft unterrichtet werden, macht das auch Sinn. Ehrlich gesagt, kümmere ich mich nicht darum, was im Detail auf dem Stundenplan steht oder in der Schule gemacht wird, solange ich das Gefühl habe, dass die ganze Sache in die richtige Richtung läuft. Lesen, Schreiben, Rechnen – mehr muss man meiner Meinung nach in der Grundschule nicht lernen. Das aber richtig. Ok., jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht vom Thema abkomme. Stichwort Schach, Chinesisch und Robotik-AG …

Es war also ein Herbstnachmittag zum Thema Herbst. Mit vielen Muffins und Dosenwerfen. Immerhin erst ab 16 Uhr. Das ist erwähnenswert, weil die Lehrerin sozusagen in ihrer Freizeit da war. Überhaupt ist diese Lehrerin eine von den Guten. In der Klasse gibt es Kinder, die kein Deutsch können und aus sehr schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. Und es gibt Kinder mit Helikopter-Eltern und Smartphone. Dazwischen gibt es noch Kinder mit stinknormalen Fußball- oder Liliefee-Schulranzen. Die ganz normale Härte. Was ich so toll fand: Diese Lehrerin schafft es, dass bei den Vorführungen eine Klassengemeinschaft vor den Eltern steht. Dass kein Kind heraussticht. Und kein Kind verloren geht. Sie gab uns Eltern Gelegenheit und Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das geht sehr gut, wenn man auf den kleinen Stühlen sitzt und mehr oder minder geschickt den Schmuck für’s Klassenzimmer bastelt. Wir teilten Kleber und schenkten uns gegenseitig Aufmerksamkeit. Ich habe jetzt ein neues Kürbiskarottenkuchenrezept und weiß, daß eine Mutter Schicht arbeitet und eine andere ihre kranke Mutter pflegt. Ganz am Schluss zündeten alle ihre Laternen an und zogen damit durch die hell erleuchtete Einkaufsstraße. Die Kinder sangen voller Inbrunst „rabimmel rabammel rabumm“! Es war irgendwie total sinnbefreit. Aber sehr, sehr schön.

Laterne laufen - noch immer cool.

Laterne laufen – noch immer cool.

 

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