St. Peter: Klosterkirche, Bibliothek, Festsaal

Sonntag, 25. August 2013. Wir machen Urlaub im katholischen Schwarzwald. Mit ein bisschen Verspätung kommen wir zur Sonntagsmesse. Die Klosterkirche St. Peter ist voll besetzt, circa 300 Menschen, eher mehr. Vor lauter Gold und Verzierung kann ich mich nicht auf den Gottesdienst konzentrieren. Ein sehr dicker Mann in einer roten Samtrobe und einem furchteinflößenden Silberstab wacht unter dem Orgelboden im Kirchengang. Was war denn das, frage ich später. Der Kirchenschweitzer. Er sorgt für Ordnung. Aha. Hatte ich noch nie gehört. Und gesehen schon gar nicht. In der anschließenden Führung wird die Geschichte der im Rokkoko erbauten Klosteranlage erklärt. Kirche, Bibliothek, Festsaal. Im „Bildprogramm“ der Kirche geht es vor allem um die Fruchtbarkeit der Menschen, Felder und Tiere. Damals befasste sich die Kirche anscheinend noch mit den Themen der Menschen. Angeblich wurde diese Kirche „für die Leut“ gebaut. Haha. So wird es in der Führung nach dem Gottesdienst behauptet. Und warum wird heute die Chorschranke zwischen Leutkirche und Klosterkirche nach dem Gottesdienst wieder geschlossen? Hallo? Ein geschlossener Lettner? Ich kann mir nicht helfen. Der Geist, der hier weht, kommt mir kalt und alt vor. Auch die anschließende Führung durch die Klosteranlage weckt bei mir keine Begeisterung. Auf die Frage, warum in der Bibliothek das Fotografieren verboten ist, heißt es, dass die Hausbewohner das nicht wollen. Welche Hausbewohner – in einem ehemaligen Benediktiner-Kloster ohne Mönche? Außerdem befinden wir uns gerade in der Bibliothek. Ich kann keinen Zusammenhang erkennen. Unser Führer, ein silberhaariger Daddy mit Siegelring und Lederwestchen will auch keine weiteren Nachfragen beantworten, schon gemerkt. Er redet von Lichtpalästen. Von Bildung. Und Kultur, die durch die Kirche in den Schwarzwald gekommen sei. So so.  Mir kommt das alles ziemlich dekadent vor. Das Kloster ist heute ein Bildungszentrum der Erzdiözese Freiburg. Niemals würde ich mich hier für irgendeinen Kurs anmelden. 30 Tage Schweige-Exerzitien sind hier zum Beispiel im Programm. Oder Ignatianische Einzelexerzitien, Cursillo-Vertiefungswochende „Heilig sein heute“, Ikonenmalerei als Meditation, Christliche Zen-Meditation für Geübte und so weiter und so weiter. Mich spricht nichts davon an. Das ist wohl eher was für Profis. Die keine Zweifel und keine anderen Themen kennen. Vielleicht hatte Napoleon doch recht, denke ich bei mir. Und es wäre besser gewesen, wenn er das alles niedergebrannt hätte. Wahrscheinlich hatte ich aber einfach einen echt schlechten Tag.

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