Fronleichnam 2013

Donnerstag, 30. Mai 2013. Über Fronleichnam weiß ich theoretisch nicht so viel. Wenn ich in drei klaren Sätzen erklären sollte, was da gefeiert wird, käme ich doch arg ins Schleudern. Irgendwie weiß ich, dass es ein ganz und gar katholisches Fest ist. Wir zeigen uns. Weil wir zaubern können. So ungefähr. Und leider kann ich das auch nur so salopp sagen, weil mir jeder theologische Ernst fehlt, ob die Realpräsenz von Fleisch und Blut Christi in der Eucharistie nun wahrhaft gegenwärtig ist oder nicht. Einerseits kann ich mir das vorstellen, dass eine Wandlung stattfindet, ja, hört sich verrückt an, trotzdem. Andererseits, kann das doch glauben, wer will. Mit meinem Bruder, einem promovierten Physiker möchte ich das nicht diskutieren. Und mit meiner Freundin, einer evangelischen Pfarrerin würde ich über die unterschiedlichen Interpretationen von Brot und Wein gerne einfach hinwegsehen. Immerhin könnten wir dann gemeinsam Abendmahl feiern.

Praktisch habe ich über die Jahre ein bisschen mehr Erfahrung erworben: Fronleichnam als fromme Übung. Die Kommunionkinder dürfen nochmal ihr Kommunionkleid anziehen. War zumindest in meiner Kindheit so. Und könnte heute noch in besonders katholischen Gegenden so sein. Meine Tochter kam leider nicht in den Genuss, sich als Kommunionkind nochmals richtig schick zu machen. Das kommt davon, wenn man so spät aufsteht und es dann eilig hat. Dazu später mehr. Weiter in der Sammlung meines katholischen Halbwissens: Blütenteppiche schmücken den Prozessionsweg. Kinder streuen Blütenblätter. Der Pfarrer trägt vorneweg die Monstranz. Hostie-to-go sozusagen. Ja, tut mir leid. Den Kalauer „Happy Kadaver“ wollte ich eigentlich auch nicht machen. Das haben Bekannte von uns erledigt, die wir getroffen haben. Dazu passend: unser Sohn sprach von „Froh Leichnam“.

Nein, es muss sich keiner aufregen. Ich will mich nicht lustig machen. Es war sowieso alles ganz anders. Wie immer, wenn nicht Sonntag ist, und ich mich auf meinen verlässlichen Gottesdienst um 11.30 Uhr in der Hauptkirche verlassen kann, muss ich im Internet nachschauen, wo, wann und mit wem welcher Gottesdienst gefeiert wird. Oje: heute Freilichtgottesdienst auf der Seebühne im Stadtgarten um 9.00 Uhr! 9.00 Uhr? Sorry, da haben wir gerade gefrühstückt. Hey, es ist Feiertag! Wir gehen also in die ganz normale Eucharistiefeier. Nix Open Air. Keine Prozession. Es gab nicht mal Weihrauch. Dafür zwei Smash-Hits: Lobe den Herren und Großer Gott, wir loben Dich! Ein genialer Organist. Eine sehr gute Predigt. Und am Ende des Gottesdienstes die Aufforderung des Pfarrers doch noch zur Prozession zu gehen. Alleine. Er hat Recht: Auf meinem Weg wird sich ganz bestimmt die ein oder andere Gelegenheit finden, meinen Glauben zu demonstrieren.

Tabernakel_webP.S. Das Bild, das ich zu diesem Blogbeitrag auswähle, steht nicht wirklich für Fronleichnam. Eine Monstranz müsste her. Aber: es gab heute halt keine. Und, ich meine: in dem Tabernakel werden die Paramente, also die Tischdecken, aufbewahrt. Und die Hostien. Und alles, was für die Wandlung wichtig ist. Das Geheimnis des Glaubens. Ein verschlossenes, mit Edelsteinen geschmücktes Kästchen.

 

 

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