Jubiläum im evangelischen Studentinnenwohnheim

Festgottesdienst zum 50jährigen Jubiläum des evangelischen Studentinnenwohnheims am Sonntag, den 9. Juni 2012 um 11 Uhr in der Rüppurer Auferstehungskirche. Anschließend Gartenfest im Studentinnenwohnheim.

Brot_close36 Studentinnen aus 14 Nationen wohnen in einem ruhigen Stadtteil Karlsruhes. Ein Viertel der Bewohnerinnen studiert Physik. Eine von ihnen erzählt: „Mein Studiengang ist immer noch sehr männerdominiert. Ich genieße es, Abends nach Hause zu kommen, in die kleine Gemeinschaftsküche, in der nur Frauen um den Tisch sitzen. Um 19 Uhr gibt es gemeinsames Abendessen, für alle, die Lust darauf haben. Und es ist immer jemand da.“  Mehrere Musikstudentinnen präsentieren Hausmusik – auf Konzertniveau. Jetzt haben sie Hunger. Das Bueffet geht quer durch die Kulturen und Kontinete. Überhaupt ist das gemeinsame Kochen und Essen ein großes Thema. Es verbindet die unterschiedlichen Kulturen und Religionen, denen die jungen Frauen angehören. Der Großteil sind evangelische und katholische Christinnen, im Haus wohnen auch Muslimas und Buddhistinnen.

Fassade_webEine Mathematikstudentin, die Wert darauf legt, dass sie nicht auf Lehramt studiert, führt interessierte Besuchergruppen durch das Haus. Die Zimmer sind im Schnitt 12qm groß: Bett, Schreibtisch, Regal, Schrank. Dusche und Toilette befinden sich in jedem Stockwerk auf dem Gang. Allem Anschein nach sind die Türen original aus den 60er Jahren. Jedes Zimmer verfügt über einen Internetanschluss. Diese Initiative ging vor einigen Jahren von einer Architekturstudentin aus, die alle Kabelkanäle im Haus selbst verlegte. Es erfolgte in den 90er Jahren eine Generalsanierung der Küchen. Auch wurde eine Wärmedämmung angebracht. Trotzdem kann man das ganze Gebäude wohl „nicht mehr zeitgemäß“ nennen. Je kleiner das Wohnheim, desto schwieriger die Finanzierung. Neue Wohnheime werden erst ab einer Größe von mindestens hundert Zimmern gebaut. Eher größer. Damit es sich rechnet. Doch heute ist ein Festtag. Da wird nicht über Geldprobleme gesprochen. Da wird gelobt. Da wird musiziert. Da wird gefeiert.

Gruppenfoto_webDer badische Landesbischof der evangelischen Kirche in Baden persönlich hatte den Festgottesdienst gehalten und ist auch beim Sektempfang anwesend. Eine ganze Reihe an Grußworten eröffnen das Gartenfest, sie unterstreichen alle den Wert der Bildung, wie wichtig es sei, die jungen Menschen in ihrer Ausbildung zu unterstützen. Vielleicht wird es so kommen: Mit Gottesdiensten werden es die christlichen Kirchen nicht mehr schaffen, die Menschen für sich zu gewinnen. Aber als Träger von Kindergärten, Schulen oder Studentenwohnheime, auf diesem Feld können sie die Menschen noch begeistern und binden.

Kurz bevor wir gehen, unterhalte ich mich noch mit dem Mann einer ehemaligen Bewohnerin. „Ich kam damals aus Ghana und habe Informatik studiert. Mein Deutsch war schlecht und ich wusste nicht mal was ein „Login“ ist. Dass meine damalige Freundin und heutige Frau in einem Wohnheim nur für Studentinnen wohnt, habe ich erst im Nachhinein verstanden.“ Er lacht. Die Kinder der beiden rennen in dem riesigen Garten herum. Er fügt noch hinzu: „Wir kommen immer wieder gerne hierher. Das sind Freundschaften für’s Leben.“

 

 

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